· 

Premiere Show 2025 von CIRQUE BOUFFON - CARROUSEL

Circus Direktor Fréderic Zipperlein im Gespräch mit Theaterintendant Michael Schulz
Circus Direktor Fréderic Zipperlein im Gespräch mit Theaterintendant Michael Schulz

QUELLE: https://www.waz.de/kultur/article408612382/welturauffuehrung-cirque-bouffon-in-gelsenkirchen-carrousel.html

 

Gelsenkirchen. Farbenprächtig und geheimnisvoll: Im Zelt neben dem Gelsenkirchener Musiktheater im Revier feierte das neue Programm seine Welturaufführung.

 

Zum Klang zirzensischer Musik dreht sich sanft schaukelnd ein altes Kinderkarussell. Noch sind die gelb-rot gestreiften Vorhänge geschlossen, aber schon bald erwacht das „Carrousel“ spektakulär zum Leben. Die gleichnamige Show des Cirque Bouffon feierte am Freitagabend im Zelt gleich im Schatten des Gelsenkirchener Musiktheaters im Revier ihre Welturaufführung – farbenprächtig, humorvoll, poetisch und ein wenig geheimnisvoll. Und vom Publikum frenetisch gefeiert.

 

Cirque Bouffon bietet eine zauberhaft-melancholische Melange aus Artistik, Musik, Theater und Clownerie

 

Die zauberhaft-melancholische Melange aus Artistik, Musik, Theater und Clownerie, sie funktioniert ganz großartig bei dieser kleinen und schrägen Truppe, die vor 20 Jahren vom französischen Artisten und Regisseur Frédéric Zipperlein in Köln gegründet wurde. Das Chapiteau bespielen sieben Artistinnen und Artisten aus Frankreich, Kanada, der Ukraine und Deutschland, dazu ein ausgezeichnetes Musikensemble. Damit gastiert der etwas andere Zirkus bereits im zehnten Jahr in der Emscherstadt, wie immer ohne Tiere, aber dafür mit unglaublichem Charme und traumhafter Fantasie, gewürzt mit einer Prise Witz und Verrücktheit.

 

Im Vorzelt duftet es nach Popcorn und Laugenbrezel, Gläser klirren. Die Atmosphäre im 400-Personen-Zelt, mit alten Instrumenten und Spielzeugen pittoresk dekoriert, ist intim. Die Menschen sind ganz dicht dran am Geschehen, sitzen rund um die Drehbühne auf kleinen Stühlen oder schmalen, rot gepolsterten Holzbänken. Wenn sich die Vorhänge des Karussells öffnen, dann tauchen sie auf, diese merkwürdigen, bunten Gestalten. Eine Giraffenfrau reckt ihren langen Hals hinaus, eine Dame sitzt auf gepackten Koffern, ein Mann steuert ein Holzauto, das Schaukelpferd thront auf einem Fahrrad. Nach und nach bauen sie alle das Gestänge ab: Bühne frei für eine Reise ins Reich der Fantasie und der Träume, in dem die hohe Kunst der Akrobatik auf neue Klangwelten und pantomimische Clownerien trifft.

 

Cirque Bouffons „Carrousel“ vom Publikum frenetisch gefeiert

 

Bei fast allen Nummern fasziniert der hohe Grad an tänzerischem Können und Körperbeherrschung, der die gesamte Show leichtfüßig und elegant anmuten lässt. Neben der verbindenden Musik knüpft die französische Clownin Noémie Pichereau als stürmische Putzfrau mit Wischmopp und Einhorndutt auf dem Kopf den roten Faden zwischen den Nummern.

 

Die zeugen von Kraft, Energie und präziser Technik. Katell Boudrandi-Saj etwa tanzt federleicht am Trapez, während Maik Ortmann auf dem Seil balanciert. An einer fliegenden Stange schwebt Henrike Leichler anmutig durch die Luft, tanzt am Boden im Dialog mit dem Objekt. Stanislav Vysotskyi jongliert blitzschnell mit kleinen Bällen. Atemberaubend und schwindelerregend dreht sich Gab Drouin mit einem Riesenreifen, dem Cyr-Rad über die Bühne. Kraftvoll begeistert Johanna Gorzellik mit Akrobatik im Handstand.

 

Derweil wandern Sergej Sweschinski (Kontrabass), Nastja Schkinder (Akkordeon), Nonna Parfenov (Geige, Gesang) und Jana Mishenina (Geige und Gesang) musizierend durchs Zelt und auf die Bühne. Anja Krips kommentiert das Geschehen wie ein Zirkusdirektor mit dunklem Gesang in einer Fantasiesprache.

 

 

Überhaupt hält dieser so eigene Bouffon-Klang das ganze magische Treiben zuverlässig zusammen. Er begleitet es umschmeichelnd-melancholisch oder treibt es mit Verve voran. Die Kompositionen schrieb der ukrainische Komponist und Kontrabassist Sergej Sweschinskij dem Ensemble als musikalischer Leiter perfekt auf den Leib. Der sinnliche Sound wird getragen von einer Mischung aus Balkan-Pop, Klezmer, Folk- und Weltmusik.

 

Am Ende der magischen Reise baut die Company das Karussell wieder zusammen, die Welt dreht sich weiter. Für zweieinhalb Stunden aber galt das Motto des Cirque Bouffon: „Die Zeit entschleunigen, die Herzen berühren.“ Das Erfolgskarussell, es dreht sich weiter für den Cirque Bouffon – beglückend fürs gut gelaunte Publikum.

 

28 Vorstellungen, mittwochs bis sonntags bis 21. April. Das Zelt ist beheizt. Einzelkarten (19-49 Euro) sowie Familientickets (77-96 Euro) gibt es an der MiR-Theaterkasse, an der Zirkuskasse sowie unter www.westticket.de.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0